130 Km privater Lauf. Macht man das? Ja, ich schon….

Am Sonntag 14.4.19 landet @GKsieben (insta: GKsieben / ich)  nachmittags am Flughafen Düsseldorf aus Kapstadt kommend. Er hat seinen Wagen dort stehen, also könnte ich ihn läuferisch abholen und hätte eine Gelegenheit zur Rückfahrt. Idee geboren und schnell umgesetzt. GPS File erstellt und auf meine Suunto GPS-Uhr und auf ein Garmin Hand-Navi gepackt. Dabei sah ich natürlich, dass es eine 130 Km Tour werden würde. Was eher gut als schlecht war, da ich einen langen Lauf wollte. Mit 16 Stunden wurde die Laufzeit mal angesetzt und dann als Startzeit 21-22 Uhr festgelegt Es wäre somit ein Nachtlauf und die Wetterprognose stand auf Frost und kaltem Nord-Ost-Wind. Da ich nach Süd-Westen laufen musste, hatte ich also fast immer Rückenwind. Gegenwind lässt 0 Grad auch gerne mal auf -5 Grad rutschen und wenn man schwitzt, wird es vom Gefühl noch kälter. Es war dann ein Nonstop-Lauf mit eigener Verpflegung und somit musste ein Laufrucksack genommen werden. In meinem 10 Liter Rucksack, wäre es sehr eng geworden und dann hängt er weit vom Rücken weg. Daher nahm ich lieber meinen Montane 22 Liter Laufrucksack auch wenn er nur halb gefüllt war, aber er lag gut auf dem Rücken verteilt an.

Hier konnte ich zweit Radflaschen und eine Softflag Flasche an bringen. Dazu kamen Riegel, Gels, Umziehsachen am Ziel, Regenhose und Jacke, Pulver für mein Sportgetränk und Notfallutensilien (Pflaster, Blasenpflaster, Goldfolie, Creme, ...)

Viel Gewicht nimmt natürlich die Verpflegung ein, aber ohne Essen geht es nicht und Wasser muss man unterwegs dazu kaufen. Da ich nachts und in einen Sonntag hinein lief, war zu überlegen, wie ich es gestalte. Mein Weg führte mich ins Ruhrgebiet und da würde es sicher 24 Stunden-Tankstellen geben, aber die erste fand ich erst um 8 Uhr morgens, da mein Weg vorher durch fast ausschließlich Natur verlief.

Durch die kalt Nacht hatte ich zum Glück wenig Durst und kam mit meinen knapp 1,7 Liter die ersten 10 Stunden aus. Empfehlenswert ist es sicher nicht, aber ich trainiere seit Jahren beim Sport mit wenig auszukommen und es war auch wirklich kein Problem. Im Sommer wäre es allerdings nicht gegangen.....

In diesen ersten 10 Stunden bin ich den Dortmund-Ems-Kanal und dem Emscher-Wanderweg gefolgt. Es war komplett dunkel und nicht mal der Mond war sichtbar, da viele Schneewolken am Himmel waren. Bei dichtem Nebel blendet eine Stirnlampe gerne, weil die Tropfen im Nebel das Licht reflektieren. So stolperte ich bei KM 22 über eine Asphaltkante und knickte mit dem linken Fuß um und mit dem rechten Knie landete ich im Schotter mit vielen kleinen Teerkügelchen. Das Sprunggelenk bekam einen schnellen Tapeverband und als ehemaliger Fußballer, wird so etwas rausgelaufen 😉  Das Knie hatte 5-7 Platzwunden, die voller Dreck und Teer waren. Die Blutung habe ich einfach laufen lassen (reinigt die Wunde(?)) und 2-3 Stunden immer wieder abgewischt. Durch die Bewegung dauerte die Krustenbildung länger, aber das Knie blieb beweglich. Umzukehren war an der Stelle keine Option, da ich die Verletzungen unter Kontrolle hatte. Alle die jetzt meinen "wie unvernünftig". Sicher ja, aber dazu müsste man wissen, was ich schon alles für Verletzungen hatte und wie viele Sportler ich schon betreut habe. Dazu ist es ja eine eigene Entscheidung, die niemanden anderes behindert.

Was ich bei der Planung vergessen hatte, waren die Ampeln im Ruhrgebiet. Essen, Gelsenkirchen Mühlheim, Düsseldorf etc. etc... Hier habe ich sicher 1 Stunde alleine an Ampeln verbracht. Dann hatte ich im Vorfeld gesehen am Höhenprofil, das ab KM 80 einige Anstiege kommen würden, aber in der Länge und Häufigkeit hätte ich sie im Ruhrgebiet nicht erwartet. Für mich gibt es bei solchen Läufen eine Regel "Es werden keine Anstiege gelaufen". Bringt meist nur wenig Zeitvorteil, aber viel Kraftverlust, da ich in meiner Homebase beim Training nie auch nur einen Anstieg habe.

Ich war dann auch 1 Stunde später am Treffpunkt, aber da der Flieger von GKsieben auch 1 Stunde Verspätung hatte, brauchte ich nur 5 Minuten auf ihn warten. Was eine Punktlandung. Der eine kommt aus Kapstadt und der andere läuft 17 Stunden und auf 5 Minuten passt es.

Für mich ist auch der Tag nach dem Lauf wichtig, da es alles zur Vorbereitung zu meinem sportlichen Höhepunkt im August gehört. Dort will ich 20 Tage infolge 20 Langdistanz Triathlons bestreiten. Was soll ich sagen? 1 Tag nach meinem Lauf habe ich keinen Muskelkater und fühle mich gut. Der rechte Knöchel schwillt schon ab und ist belastbar ohne Schmerzen. Das Knie ist natürlich noch geschwollen und die Verkrustung der Wunden wird mich noch ein paar Tage beim Knicken behindern, aber das ist halt so.

Jeder Lauf hat seine Medaille verdient. Meine Medaille war das Treffen mit GKsieben und auf der Rückfahrt zur Homebase hatten wir schon gute Gespräche über seine Zeit in Südafrika, seinen Beruf, seine Hobbys und was wir beide als nächstes Projekt unternehmen.

xtremironman

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